Den Ruhestand gut vorbereiten

Die Rente beantragen - keine Kleinigkeit.

Die Beantragung der Rente ist keine Kleinigkeit. Nicht nur beim Antrag selbst, sondern auch nach der ersten Zahlung gilt es einiges zu beachten - etwa was die Besteuerung oder die Geldanlage angeht. Muss ich meine Rente voll versteuern? Wann ist für mich der günstigste Zeitpunkt, das Arbeitsleben zu beenden? Welche Versicherungen brauche ich? Sollte ich noch in Aktienfonds investieren? In diesem Blog gebe ich Ihnen einen kleinen Überblick.

 

Gesetzliche Rente
Im Regelfall ist die gesetzliche Rente bzw. Pension die wichtigste Einnahme im Ruhestand. Deshalb ist es wichtig, sich rechtzeitig darüber zu informieren, ab wann man in Ruhestand gehen und mit welcher Rente bzw. Pension man rechnen kann. Neben dem regelmäßigen Blick auf den Rentenbescheid, ist eine Kontenklärung eine gute Vorbereitung. Ein vollständiges Versicherungskonto ist die Grundlage dafür, dass die spätere Rente in richtiger Höhe gezahlt werden kann. Eine Kontenklärung hilft dabei, die vorhandenen Daten zu prüfen und gegebenenfalls Lücken im Versicherungskonto zu schließen. Nach dem Beschluss des Bundestages vom 2. Juli 2020 und der Zustimmung des Bundesrats am 3. Juli 2020 ist das Gesetz zum Grundrentenzuschlag am 1. Januar 2021 in Kraft getreten. Der Grundrentenzuschlag muss nicht beantragt werden. Wenn ein Anspruch besteht, zahlt die Rentenversicherung den Zuschlag automatisch mit der Rente aus. Der Ruhestand schützt nicht vor Papierkram: Als Rentner sind Sie zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet, wenn Ihr zu versteuerndes Einkommen den jährlichen Grundfreibetrag übersteigt. Mit Inkrafttreten des Alterseinkünftegesetzes werden seit 2005 unter anderem auch die gesetzlichen Renten anteilig besteuert. Der steuerfreie Anteil der Renten wird jährlich abgeschmolzen bis schließlich in 2040 eine 100-prozentige Besteuerung der „Neurenten“ erreicht ist. Tatsächlich wird nicht eine einzelne Rente besteuert, sondern die Summe aller Einkünfte. Darauf findet dann die Steuertabelle Anwendung. Eigentlich müsste man nicht von Besteuerung der Renten, sondern vielmehr von Besteuerung der Rentner sprechen. Alle „Neurentner“ sollten im Jahr des Rentenbeginns eine Steuererklärung einreichen, denn nicht selten wartet sogar eine Steuererstattung auf sie. Freiwillig Steuererklärungen einzureichen, lohnt sich mitunter auch, wenn von den Guthabenzinsen Kapitalertragssteuer einbehalten wurde, die sich der Sparer erstatten lassen kann.

Finanzplanung
Der näher rückende Ruhestand sollte zudem Anlass sein, die Finanzplanung nochmals gründlich unter die Lupe zu nehmen. Da es jetzt um andere Ziele als bisher geht, ist es wichtig, eine neue Strategie zu entwickeln. Am besten ist es, den Wechsel vom aktiven Berufsleben in den Ruhestand längerfristig, also einige Jahre vor dem Tag X, zu planen.Ein wichtiger Aspekt ist vor allem die Sicherheit Ihrer Anlage, sei es für den eigenen Bedarf oder für Ihre Kinder und Enkelkinder. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie beim Eintritt ins Rentenalter sämtliche Aktien/ Aktienfonds verkaufen und nur noch auf Sicherheit setzten sollten. Idealerweise vollzieht sich die Umstellung von einem ertrags- zu einem sicherheitsorientierten Vermögensmix über einen längeren Zeitraum. Sie sollten Zeit für die Entscheidung haben und keinesfalls unter Zeitdruck handeln müssen. Den meisten steht im Rentenalter weniger Einkommen als zuvor zur Verfügung. Oft sinken aber auch die Ausgaben. Wichtiger ist das der Schwerpunkt sich jetzt meist von ertragsorientiert verlagert auf den Erhalt des Vermögens und auf die regelmäßige Nutzung der daraus erzielten Erträge. Ein Ziel sollte sein, möglichst schuldenfrei zu Rentenbeginn zu sein, um Kreditkosten zu vermeiden. Gerade bei der Baufinanzierung ist eine weite Vorausplanung vor dem Tag X wichtig. Auch im Rentenalter ist es wichtig den sogenannten Notgroschen zu haben. Bei Erwerbstätigen heißt es zwei bis drei Monatsgehälter sollten auf der hohen Kante jederzeit verfügbar liegen. Im Rentenalter sollten Sie den Betrag sogar noch etwas höher ansetzten, um auch bei unvorhergesehenen Ausgaben bestens gerüstet zu sein. Solange Sie in absehbarer Zeit nicht auf Ihr Vermögen zugreifen müssen, können Sie auch ein gewisses Maß an Wertschwankungen in Kauf nehmen. Doch je näher das Rentenalter rückt, desto wichtiger ist für die Meisten die Planbarkeit und damit die Sicherheit des Vermögens, da entweder auf die daraus erzielten Erträge oder aber auch das Vermögen selbst zugegriffen wird. Das passt weder zu Fremdwährungsanlagen noch zu Einzelaktien. Deshalb sollte ein Teil des Vermögens für absolute Sicherheit sorgen. Mein Tipp: Wenn Sie die Umschichtaktion über einen Zeitraum von fünf Jahren angehen, können Sie gezielt Zeiten hoher Börsenkurse nutzen.

Sparen für den Nachwuchs
Gerade in Zeiten von Nullzinsen fragen sich Eltern und Großeltern, wie sie für den Nachwuchs sparen können, und was von den speziell an Kinder gerichteten Offerten der Bankberater und Versicherungsvertreter zu halten ist. Indexpolicen, Ausbildungsversicherungen, Bausparverträge oder Aktienfonds sind aber in erster Linie wegen hoher Provisionen für die Vermittler lukrativ, nicht für die Kundinnen und Kunden. Entscheidend für die Auswahl der Produkte ist immer der Bedarf des Kindes beziehungsweise der Eltern: Geht es darum, Geld fürs erste Auto oder E-Bike zu sparen, die Finanzierung von Ausbildung und Studium oder soll das Geld schon für die Rente oder ein Eigenheim angelegt werden? Neben all den Finanzprodukten können die Großeltern auch in die Bildung des Nachwuchses investieren, etwa indem sie Musik- oder Sportunterricht finanzieren.

Versicherungen – was ändert sich mit der Rente?
Das Arbeitsleben ist vorbei, die Kinder sind aus dem Haus: Manche Versicherung wird überflüssig, andere Policen sind weiterhin wichtig. Überflüssig sind dann beispielsweise die Berufsunfähigkeits- und die Krankentagegeldversicherung. Stattdessen ist wichtig, dass Verbraucher die Ausgaben für ihre Gesundheit finanzieren können, deshalb sollten vorhandene Zusatzversicherungen für die Zähne und das Krankenhaus weitergeführt werden, sofern sie sich es leisten können. Ab welchem Alter eine Versicherung höhere Beiträge verlangt, ist unterschiedlich. Es lohnt sich, Preise zu vergleichen. Bei Autoversicherung und Auslandsreisekrankenversicherung etwa heben viele Versicherer die Beiträge im Alter an. Spezielle „Versicherungspakete für Senioren“ sind in der Regel nicht sinnvoll. Immer mehr Anbieter bieten speziell für Rentner zugeschnittene Versicherungspakete an. Doch oft nützen diesem mehr dem Geldbeutel des Verkäufers als Ihnen. Überflüssig sind beispielsweise Glas-, Sterbegeld- und private Arbeitslosenversicherungen, Extra-Geräteversicherungen, Brillenversicherung, Reisegepäckversicherung.

Unser Ratgeber „Rente in Sicht“ gibt Tipps für den Einstieg in die Rente. Er beantwortet wichtige Fragen zum Abschied von der Arbeit und bietet wertvolle Ratschläge und rechtliche Hinweise. Die Leserinnen und Leser erfahren, was sie für den Rentenantrag grundsätzlich benötigen, bekommen einen Zeitplan als Orientierung an die Hand und erhalten Informationen zu beitragsfreien Zeiten oder Rentensplitting. Da der Fiskus auch Rentner weiterhin zur Kasse bittet, behandelt der Ratgeber auch einkommensteuerrechtliche Fragen. Der Ratgeber hat 200 Seiten und kostet 16,58 Euro. Bestellmöglichkeiten: Im Online-Shop unter www.ratgeber-verbraucherzentrale.de

Dr. Annabel Oelmann

Vorständin der Verbraucherzentrale Bremen e.V.

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