Warum Altersbilder selten zutreffen

Keine Zeit ist so divers wie das Alter

 

Persönliche Altersbilder haben Folgen für die Gesundheit
Gesellschaftliche Altersbilder können zu Diskriminierung führen
Statt Altersbilder zu betonen, sollte man die Unterschiedlichkeit alter Menschen hervorheben
Eine genaue Betrachtung der eigenen Vorstellungen vom Alter lohnt sich

Nehmen Sie sich mal einen kurzen Augenblick Zeit: Wie stellen Sie sich die typische Rentnerin oder den typischen Pensionär vor? Ich muss gestehen, mir kommt direkt eine alte Frau mit grauen Haaren in gebückter Haltung in den Sinn – vielleicht weil meine eigene Oma so aussah. Vielleicht auch weil Omas in vielen Büchern und Filmen so dargestellt werden.

Fest steht: Jede:r von uns hat ein gewisses Bild vom Alter. Was viele nicht wissen, ist, dass dieses Bild extrem wichtig ist für unser eigenes Älterwerden. Mehrere Studien zeigen, dass Personen mit negativen Altersbildern später selbst weniger gesund sind. Sie weisen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit Herzkreislauferkrankungen und schlechtere Gedächtnisleistungen auf. Demgegenüber trauen sich ältere Menschen mit einer positiven Sicht aufs Alter mehr zu, bleiben körperlich aktiver und beteiligen sich öfter an sozialen Aktivitäten – eine sich selbst erfüllende Prophezeiung sozusagen.  

„Die Alten” in der Corona-Krise 

Neben diesen ganz persönlichen Vorstellungen vom Alter gibt es auch diverse Altersbilder, die in einer Gesellschaft vorherrschen. Sie werden zum Beispiel durch die Medien verbreitet und stecken hinter Begriffen wie „hilfsbedürftige Alte”, „konsumfreudige Ältere“ oder „das aktive Alter”. Gerade in der Corona-Krise konnte man beobachten, wie „die Alten” oftmals pauschal als weniger gesund dargestellt wurden. Dabei zeigen Studien, dass der soziale Hintergrund die Unterschiede zwischen Menschen oft besser erklärt als das kalendarische Alter. 

Jung trifft Alt(ersbilder) 

Solch negative Altersbilder sind vor allem dann problematisch, wenn sie zu Stigmatisierungen, Altersdiskriminierung und einem weniger offenen Umgang zwischen Alt und Jung führen. Im sogenannten „Teufelskreis-Modell" zeigte sich beispielsweise, dass jüngere Menschen ihr Verhalten und ihre Sprache deutlich verändern, wenn sie auf eine ältere Person treffen. Der Grund: Sie aktivieren bestimmte Altersstereotype und schreiben der älteren Person mangelnde Kompetenzen zu. Dabei löst dieses „überangepasste” Verhalten wiederum Selbstzweifel bei den Älteren aus, die im Gespräch tatsächlich ihre eigene Kompetenz in Frage stellen. 

Problematisch wird es auch, wenn sich negative Stereotype in diskriminierendem Verhalten im Berufsleben oder in der medizinischen Versorgung zeigen. Im Deutschen Alterssurvey beispielsweise berichten die 40-69-Jährigen vermehrt von Diskriminierung im Bereich Arbeit und Arbeitssuche (rund 14 Prozent). In der medizinischen Versorgung nehmen vor allem die ältesten Befragten eine gewisse Diskriminierung wahr (70-85 Jahre, rund 7 Prozent). 

Vorsicht vor positiven Altersbildern 

Was ganz spannend ist: Einige deutsche Studien zeigen, dass alte Menschen in der Werbung und im Fernsehen heutzutage meist sehr jung aussehen. Sie werden dabei überzogen positiv dargestellt – vor allem, was ihre soziale Integration und ihre finanziellen Ressourcen angeht. Doch warnen Forscher:innen auch vor einer solch übertrieben positiven Verallgemeinerung, da sie ältere Menschen mit einem übermäßigen Erwartungsdruck konfrontiert und zu Enttäuschungen führen kann. 

(Alte) Menschen sind verschieden 

Was bei all diesen negativen wie positiven Stereotypen übersehen wird, ist, dass kaum eine Lebensphase so divers ist wie das Alter. So gilt ein 50-Jähriger im Berufsleben oftmals bereits als „älterer Arbeitnehmer”, während ein Politiker um die 50 in einem hohen Amt noch als relativ jung gilt. Roger Federer hingegen gilt mit seinen 40 Jahren sicherlich schon als „alter” Tennisspieler. Und die Queen lehnte jüngst noch einen „Oldie-Award” ab – mit der Begründung: „Man ist so alt, wie man sich fühlt”. Sie erfülle daher nicht die relevanten Kriterien, um die Auszeichnung zu akzeptieren. 

Auch die Lebenssituation älterer Menschen ist sehr verschieden. „Es gibt alte Menschen, die sehr eingeschränkt sind und durchs soziale Netz fallen. Es gibt auch diejenigen, die sehr positive Stereotype verkörpern: Müßiggang, Luxus – die die schönen Seiten des Lebens genießen. Und es gibt ganz viele, die dazwischen liegen”, sagt Dipl.-Psychologin Dr. Verena Klusmann, Leiterin des DFG-Netzwerks Altersbilder. Deshalb fordern Forscher:innen heute, nicht ausschließlich negative oder positive Bilder zu zeigen, sondern die große Unterschiedlichkeit alter Menschen. 

Was jeder von uns tun kann

Für jede:n einzelne:n von uns bedeutet das: Offen bleiben für die Möglichkeiten und Herausforderungen im Alter. In den Austausch gehen mit Menschen, die deutlich jünger oder deutlich älter sind als man selbst. Und sich kritisch fragen, wie man sich selbst das Alter vorstellt. Eine genaue Betrachtung lohnt sich, denn viele Menschen können heute erwarten, auch nach Ausscheiden aus dem Erwerbsleben noch lange zu leben – aufgrund des medizinischen Fortschritts häufig bei relativ guter Gesundheit. 

Die Gesundheit ist auch abhängig von der eigenen Lebensgestaltung und auch von vielen unterschiedlichen Aspekten. Einer davon ist die bewusste Gestaltung des eigenen zufriedenen Lebens. Gerade beim Übergang von der Erwerbstätigkeit in den Ruhestand verändert sich vieles und das „neue zufrieden“ muss sich finden. 

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Annelen Bergenthum

Freie Journalistin

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