Immer schön „elastisch bleiben“ ...

Resilienz funktioniert fast wie ein Muskel

Jedem von uns begegnen im Leben unterschiedliche Herausforderungen, Arbeitsplatzsuche, Familiengründung, Umzug, Arbeitsplatzverlust, Tod eines geliebten Menschen, durch eine Prüfung fallen oder oder oder.
Und doch gibt es Menschen, die sogar Krisen besser bewältigen oder gar gestärkt daraus hervorgehen. Umgangssprachlich sprechen wir dann häufig von einem „dicken Fell“.
Kennen Sie solch eine Person, die gefühlt nichts erschüttert oder die auch in allem eine Chance oder etwas „Gutes“ sieht, die schnell wieder auf die Beine kommt? 

In der psychologischen Forschung wird diesem Phänomen auf den Grund gegangen. Der Begriff ist mittlerweile sehr bekannt, die Resilienz (lat. resilire: zurückspringen‚ abprallen).
Ursprünglich ist Resilienz der physikalische Ausdruck für den Vorgang, wenn sich ein Gegenstand zurück in seine ursprüngliche Form bewegt.
Auch unsere „Persönlichkeit“ kann das. Wenn wir Herausforderungen meistern, manchmal auch dazu alle Kräfte mobilisieren müssen, kann sie zurückspringen oder sich neu formen, ganz ohne Blessuren.


Die erste gute Nachricht: Jeder von uns verfügt über diese Stärke.

Die zweite gute Nachricht: Wir können diese Fähigkeit trainieren und uns so stärken.
 Die Resilienz funktioniert fast wie ein Muskel, der gehegt, gepflegt und gefordert werden will. Trainingsmethoden gibt es viele und es gibt viele Ansatzpunkte: Gesunde Ernährung, moderate Bewegung, genügend Schlaf, bewusste Atmung, Veränderung der eigenen Denkmuster etc.

Ein Resilienz-Modell ist das der „Sieben Säulen“ von Ursula Nuber*. Hier werden sieben „Schutzfaktoren“ beschrieben, die menschliche „Elastizität“ stärken. Diese Schutzfaktoren wirken dann wie ein starkes Immunsystem. Kleine Infekte gehen meist unbemerkt an einem vorbei.
Die sieben Einflussfaktoren sind nicht klar voneinander zu trennen, sie bedingen sich gegenseitig. 

Die sieben Schutzfaktoren in Anlehnung an das Modell von Ursula Nuber im Überblick:

  1. Optimismus
    Beschreibt die Fähigkeiten, den positiven Dingen im Leben mehr Raum zu geben und die herausfordernden Situationen als zeitlich begrenzt und überwindbar anzusehen. Z.B. auf was schauen Sie, auf die Dinge, die da und schön sind oder auf die Dinge, die nicht da sind? Es heißt auch weitermachen und wissen, dass man selbstwirksam ist.
    Sind Sie sich bewusst, für was Sie dankbar sind?

  2. Akzeptanz
    Ist die Fähigkeit, Erfahrungen auch Krisen klar zu erkennen, diese anzunehmen und zu akzeptieren. Durch die Akzeptanz wird es leichter zu handeln.
    Hadern Sie häufig?
    Durch die Akzeptanz wird dem nächsten Schutzfaktor der Weg geebnet.

  3. Lösungs-/ Zielorientierung
    Wenn man weiß, was man verändern kann und was nicht, heißt es zu klären was will ich erreichen und wie kann ich das? Den eigenen Fokus „auf die möglichen und realistischen Lösungen zu legen“, die auch erreichbar sind. Wie ist das bei Ihnen, fragen Sie sich immer wieder, was kann ich wie tun, um...?
    Wenn ja, ist auch der nächste Schutzfaktor leichter zu stärken. 

  4. Die Opferrolle verlassen („Ich kann jammern, bin jedoch nicht dazu verpflichtet“)
    Hierbei geht es darum, innerlich abzuschließen mit „ich bin das Opfer der Umstände und kann eh nichts machen.“ Dinge geschehen oder widerfahren uns, und doch haben wir immer mindestens zwei Handlungsalternativen, es gilt diese nur zu erkennen. Es gilt, sich die eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten bewusst zu machen seine Handlungsfähigkeit klar zu erkennen. Sich bewusst zu machen was man selbst oder mit Hilfe verändern kann und was nicht.

  5. Verantwortung übernehmen
    Hier geht es darum, im eigenen Einflussbereich, für sein eigenes Handeln und auch Nicht-Handeln die Verantwortung zu übernehmen. Ich kann, ich will, ich mache und stehe dazu.
    Ja, auch zu den Dingen, die man auch nicht macht. 

  6. Zukunftsorientierung 
    Wer weiß, wo er hin will, plant seine Zukunft, hat eine Vision, macht Pläne ist daher aktiver. Erreicht man die Dinge, spürt man seine Selbstwirksamkeit. Dieser Schutzfaktor steht auch dafür, in welche Richtung die eigenen Gedanken gehen: In die Vergangenheit, hier ist nichts mehr zu verändern oder auf das zu schauen, was man erreichen kann. „Wir schaffen heute die Vergangenheit von morgen.“ Zudem kann man sich auf das Wesentliche konzentrieren. 

  1. Netzwerkorientierung
    Stärkende Beziehungen aufbauen und langfristig pflegen. Unterstützung erhalten und geben. Wer ein gutes Netzwerk hat, hat immer Menschen an seiner Seite, die einen unterstützen.
    Wie sieht es bei Ihnen aus, haben Sie tragfähige und stabile Beziehungen, die Ihnen z.B. Kraft geben?

Wer sich mit Resilienz beschäftigt, kommt auch am Thema „Stress“ nicht vorbei. Stress ist etwas, was seit Jahren fast „verteufelt“ wird. Er ist an sich nichts Schlimmes, wie immer macht es die Dosis. Ohne Stress wäre das Leben mehr als fade und ein Zuviel überfordert, beides kann am Ende krank machen. 

Der Übergang in den Ruhestand bringt viele Veränderungen mit sich, die Struktur des Alltags, die Gesellschaft, das Erleben etc. Solche Veränderungen können Stress auslösen. Stress ist etwas Persönliches. Ob und wie stark uns etwas stresst, ist von Person zu Person unterschiedlich. Wer seine Resilienz stärkt, geht anders mit Stress um und erlebt ihn anders. So überfordern uns Dinge dann vielleicht nicht mehr, sondern spornen uns an. Wer wenig starken und dauerhaften Stress hat, tut automatisch etwas für seine eigene Gesundheit. Es lohnt sich, etwas für sich zu tun.

Möchten Sie Ihren Ruhestand planen, haben Sie Lust ihre Zukunft aktiv und bewusst zu gestalten, dann nutzen Sie unser Angebot von AgeForce1 über den regelmäßigen Newsletter, den kostenlosen Selbsttest oder ab Frühjahr 2022 unser digitales Selbst-Coaching-Programm.

 
* Diplompsychologin, ehemalige Chefredakteurin „Psychologie heute“, Sachbuchautorin ...

 

Anja Klute

Co-Gründerin von AgeForce1

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