Der Ruhestand ist ein Mythos
Daria Obymaha

Hintergrundinformationen:

Über Anja Klute

Über Frank Leyhausen

Köln 07. Januar 2025 David Lettermann, amerikanische Talkshow-Legende, zeigt im Interview eine klare Haltung zum Thema Ruhestand. „Du wirst nicht in Rente gehen. Der menschliche Mechanismus wird das nicht zulassen“, sagte er der Zeitschrift GQ im Dezember 2024. Die Daten des Sozio-oekonomischen Panels geben dem 77-Jährigen recht: Wer im Alter arbeitet, ist zufriedener.

Es mag überraschen, aber in Deutschland sind Menschen zwischen 66 und 70 Jahren am zufriedensten, wenn sie arbeiten. Damit liegen sie in ihrer Lebenszufriedenheit sowohl über den Gleichaltrigen, die nicht erwerbstätig sind, als auch über dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung.(1)

Ein Vollzeitbeschäftigter wird nicht automatisch zum Vollzeitrentner

Daten(2) des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung und des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass die Erwerbstätigkeit im Ruhestand kontinuierlich zunimmt. Viele ältere Menschen wollen und können ihre Erfahrungen und ihr Wissen weiterhin einbringen.
Damit die Lebenszufriedenheit im Ruhestand nicht sinkt, ist es wichtig, sich frühzeitig mit dem neuen Lebensabschnitt auseinanderzusetzen. „Viele Menschen glauben immer noch an den Mythos des endlosen Urlaubs, ohne sich zu fragen, ob 150.000 Stunden Nichtstun für sie befriedigend sind.“ berichtet die Diplom-Psychologin Anja Klute und fügt hinzu: „Das Ende der Berufstätigkeit bringt viele Freiheiten, aber auch den Verlust von Aufgaben und die Möglichkeit, seine Erfahrungen und Talente einzubringen“. Zur Vorbereitung auf den Ruhestand hat sie gemeinsam mit Frank Leyhausen einen Ratgeber geschrieben.

Aktiv das Gespräch mit dem Arbeitgeber suchen

Ob, wann und wie man in den Ruhestand geht, sollte auch mit dem Arbeitgeber frühzeitig besprochen werden. Ruhestand ist aber in deutschen Unternehmen oft ein Tabuthema. Nur wenige Arbeitnehmer suchen aktiv das Gespräch und die meisten Arbeitgeber haben keinen strukturierten Prozess für den Übergang in den Ruhestand. „Arbeitnehmer sind gut beraten, das Gespräch aktiv zu suchen“, rät Mitautor Leyhausen. In einem solchen Dialog können Wünsche und Erwartungen beider Seiten besprochen und Perspektiven für eine mögliche Zusammenarbeit im Ruhestand erörtert werden. „Wir sprechen in unserem Buch von einer „Zugabe“, die sich nachweislich positiv auf die Zufriedenheit auswirkt.“

Bevor der Arbeitnehmer das Gespräch sucht, sollte er folgende Fragen für sich geklärt haben:

Wann möchte ich in Rente gehen?

- Will ich vor oder mit Beginn der Regelaltersrente ausscheiden?
- Möchte ich darüber hinaus weiter arbeiten?

Kann ich mir vorstellen, auch im Ruhestand für meinen Arbeitgeber tätig zu sein?

Wenn ja
- Wie viele Stunden pro Woche möchte ich arbeiten?
- Welche Tätigkeit möchte ich ausüben?
- Welche Entlohnung erwarte ich?

Weitere Empfehlungen zur Vorbereitung auf den Ruhestand und Tipps, wie Paare dieses „kritische Lebensereignis“ angehen können, sind in dem Buch „Graues Gold statt altes Eisen: Wie der Start in den Ruhestand gelingt“ zu finden, ebenso steht ein kostenloser Selbsttest im Netz.

(1) Potthoff, Jennifer / Schüler, Ruth Maria, 2024, Wer im Alter arbeitet, ist zufriedener, IW-Kurzbericht, Nr. 20, Köln
(2) Erwerbsarbeit im Ruhestand hat vielfältige Gründe – nicht nur finanzielle (IAB) sowie „
Erwerbstätigkeit älterer Menschen“ (Statistisches Bundesamt https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Demografischer-Wandel/Aeltere-Menschen/erwerbstaetigkeit.html)

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