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Köln 25.02.2025 Die Erwerbstätigkeit im Ruhestand ist auf einem Allzeithoch. Viele Rentner ziehen diese Option jedoch erst mit zeitlichem Abstand zum Berufsleben in Betracht. Unternehmen, die nicht frühzeitig eine Kommunikation mit ihren „Talenten in Rente“ etabliert haben, verpassen die Chance auf eine weitere Zusammenarbeit.
Eine aktuelle Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung1 zeigt, dass Beschäftigte, die direkt nach der Pensionierung weiterarbeiten, dies im gleichen Berufsfeld und häufig sogar beim gleichen Arbeitgeber tun. Liegt jedoch ein zeitlicher Abstand zwischen dem Ende des Berufslebens und dem Beginn der Erwerbstätigkeit im Ruhestand, werden sie häufig in einem anderen Beruf tätig.
„Es ist wichtig, frühzeitig das Gespräch mit den eigenen Mitarbeitenden zu suchen, um sie für eine Weiterbeschäftigung zu gewinnen.“ betont Ruhestandsberater Frank Leyhausen und ergänzt: „Auch wenn zum Zeitpunkt des Ausscheidens kein Interesse an einer Erwerbstätigkeit im Ruhestand besteht, sollten eine regelmäßige Kommunikation mit den Neurentnern etabliert werden.“
Die Phasen des Ruhestands
Der Übergang in den Ruhestand ist ein Prozess, der sich nach dem Soziologen Robert Atchley in fünf Phasen unterteilen lässt. Nach einem meist euphorischen Start, in dem die Rentner:innen ihre neue zeitliche und räumliche Freiheit genießen, folgt eine Phase der Ernüchterung. Die Neurentner:innen werden mit der veränderten Realität des Ruhestandes konfrontiert. Viele stellen mit der Zeit fest, dass Aufgaben, Wertschätzung und Strukturen, die es durch den Beruf gab, fehlen und die Tage nicht ausgefüllt sind. Die Phase der Ernüchterung beginnt meist sechs bis zehn Monate nach dem Eintritt in den Ruhestand und führt zu einer Neuorientierung. Es werden neue Aufgaben und Handlungsräume gesucht. Diese Phase bietet dem ehemaligen Arbeitgeber einen guten Gesprächseinstieg für eine Rückkehr ins Unternehmen.
Zwei Schlüssel zum Erfolg
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Führungskräfte müssen die Möglichkeiten der Erwerbstätigkeit im Ruhestand klar kommunizieren. Dies kann frühzeitig in Mitarbeitergesprächen geschehen, in denen das „Tabuthema“ Ruhestand gezielt angesprochen wird.
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Unternehmen müssen die Kontaktdaten ihrer Ruheständler systematisch erfassen und pflegen, um eine regelmäßige Kommunikation zu gewährleisten.
Unabhängig von der konjunkturellen Lage stellen ehemalige Mitarbeiter oft eine ungenutzte Option gegen den Fachkräftemangel dar. Es lohnt sich für Unternehmen einen systematischen Ansatz zu etablieren, um die „Talente im Rente“ bereits vor dem Eintritt in den Ruhestand für sich zu gewinnen.
1 IAB Kurzbericht 1/2025
