Erfolgsfaktor Erfahrungswissen
Köln, 23. September 2025 Die aktuelle Berichterstattung über sinkende Jobangebote für jüngere Menschen kommt nicht überraschend. Bereits 2024 stellte Ian Beacraft auf der SXSW-Konferenz fest, dass KI eine größere Gefahr für jüngere Arbeitnehmer darstellt. In Zukunft werden „kreative Generalisten“ benötigt, die mithilfe von KI ihr Fachwissen abrufen und einsetzen können, um komplexe Probleme zu lösen und Innovationen zu schaffen.
Ian Beacraft gilt als eine der führenden Stimmen im Bereich KI und der Zukunft der Arbeit. In seinem Vortrag „Billion Dollar Teams: The Future of an AI Powered Workforce” machte er bereits im März 2024 deutlich, dass KI in Zukunft die Rolle der meisten Spezialisten übernehmen wird. In Zukunft werden Menschen im Beruf erfolgreich sein, die verschiedene KIs bewerten, optimieren und kombinieren können, um bestimmte Aufgaben effektiv zu erledigen.
Erfolgsfaktor Erfahrungswissen
Für diese Tätigkeit ist Erfahrungswissen ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Daher sieht Beacraft die Gefahr eines Jobverlusts durch KI für junge Arbeitnehmer größer als für ältere. Zwar verfügen jüngere Mitarbeitende häufig über aktuelleres Know-how bzw. beherrschen modernere Technologien schneller, doch wird sich die Halbwertzeit dieses Wissens dramatisch verkürzen. Der Vorsprung älterer Mitarbeitender liegt hingegen im Bereich der Lebens- und Berufserfahrung. Diese ist sehr wertvoll und kann von jüngeren Menschen nicht so schnell kompensiert werden.
Erfahrungswissen binden und reaktivieren
Im Arbeitskontext zeigen sich oft besondere Fähigkeiten, die sich nicht allein durch Wissen oder rationale Planung erklären lassen. Es sind das intuitive Gespür und die unmittelbare Entscheidungsfähigkeit, die Experten auszeichnen. Diese sogenannten „tacit skills” oder „impliziten Kenntnisse” sind in der täglichen Praxis zwar unerlässlich, werden bei der offiziellen Beurteilung von Qualifikationen jedoch häufig übersehen. Da viele dieser „tacit skills” auf jahrelanger Erfahrung und Kompetenz beruhen, sind sie primär bei älteren Mitarbeitenden zu finden. „Unternehmen sind gut beraten, Erfahrungswissen im Unternehmen zu halten und die impliziten Kenntnisse der Menschen, die das Unternehmen in Richtung Ruhestand verlassen haben, zurückzugewinnen“, stellt Frank Leyhausen, Experte für Retention und Returnship, fest. Er ergänzt: „Gerade Returnships für Rentner:innen findet man bisher selten, obwohl die geburtenstarken Jahrgänge mit rund 1 Million Personen pro Jahr in den Ruhestand gehen. Ihr Erfahrungswissen geht so für den Arbeitgeber verloren – vielleicht sogar zugunsten der Mitbewerber.“
