Wenn das Gehirn in Rente geht
Köln 06.05.2025 Viele Menschen sehen den Ruhestand als endlosen Urlaub nach dem Arbeitsleben. Dabei verkennen sie, dass sich der Ruhestand negativ auf die kognitive Leistungsfähigkeit auswirken kann. Ein neuer Ratgeber hilft, sich auf einen erfüllten Ruhestand vorzubereiten.
Untersuchungen des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) zeigen, dass jeder, der aus dem Arbeitsleben ausscheidet, an geistiger Fitness verliert - unabhängig von Beruf oder Bildung.
Use-it-or-lose-it
Professor Hendrik Schmitz vom RWI hat mit seinem Team die Auswirkungen des Ruhestands auf die kognitive Leistungsfähigkeit untersucht. Die Ergebnisse stützen die „Use-it-or-lose-it-Hypothese“. Sie besagt, dass mangelnde geistige Herausforderung den Verlust kognitiver Funktionen beschleunigen kann. „Keine der von uns untersuchten Gruppen profitiert vom Ruhestand in Bezug auf die geistige Fitness, fast alle verlieren, allerdings in unterschiedlichem Ausmaß“, erläutert Schmitz und ergänzt: „Menschen in kognitiv anspruchsvolleren Jobs verlieren durch den Ruhestand etwas stärker.“
Ruhestand ohne Plan
Viele Menschen gehen unvorbereitet in den Ruhestand - sowohl emotional als auch organisatorisch. Eine Studie* stellt fest, dass nur jede:r fünfte in Deutschland den Ruhestand aktiv plant. Nach einem enthusiastischen Start in den endlosen Urlaub folgt eine Phase der Ernüchterung. Die Neurentner:innen werden mit der veränderten Realität des Ruhestandes konfrontiert und stellen fest, dass etwas fehlt. Das kann die Wertschätzung der Kollegen sein, das Bedürfnis, gebraucht zu werden, oder die Struktur, die mit der Arbeit verloren gegangen ist. All dies führt auch dazu, dass die kognitiven Fähigkeiten nicht mehr wie gewohnt genutzt werden. „Man sollte nicht unterschätzen wie wichtig es ist, gebraucht zu werden und die Auseinandersetzung mit einer Zeit, in der das – scheinbar! – nicht mehr der Fall ist, dürften viele scheuen“, kommentiert Schmitz die geringe Vorbereitung und rät sich bereits während des Berufslebens mit der neuen Lebensphase zu beschäftigen.
Den Ruhestand vorbereiten
Um die frühzeitige Auseinandersetzung mit dem Ruhestand zu fördern, haben die Autoren Anja Klute und Frank Leyhausen den Ratgeber „Graues Gold statt altes Eisen - Wie der Start in den Ruhestand gelingt“ geschrieben. „In unserem Ratgeber geben wir praktische Tipps, wie der eigene Ruhestand sinnvoll und strukturiert gestaltet werden kann, dass er zu einem passt und man glücklich ist“, erläutert Diplom-Psychologin Klute. Co-Autor Leyhausen ergänzt: „Gerade der Erwerbstätigkeit im Ruhestand haben wir in unserem Buch viel Raum gegeben, weil sie oft nicht in Betracht gezogen wird. Erwerbstätigkeit ist eine Option, die die kognitiven Funktionen fördert und die Lebenszufriedenheit steigert.“
* „Ruhestand – So blicken die Rentnerinnen und Rentner der Zukunft auf das Alte
