Warum Arbeit nicht zu einfach sein darf
Köln 24.03.2025 In einer Arbeitswelt, die zunehmend auf Flexibilität, Automatisierung und Effizienz ausgerichtet ist, warnt der GenZ-Experte Andrew Roth auf dem Tech-Festival SXSW in Austin vor einem entscheidenden Trugschluss: Man dürfe jungen Mitarbeitenden die Arbeit nicht zu leicht machen, sondern müsse „fordern und fördern“. Ein Prozess, bei dem das Wissen erfahrener Mitarbeitender gefragt ist.
Der demografische Wandel führt dazu, dass Unternehmen immer häufiger Teams aus mehreren Generationen zusammenstellen. Während jüngere Mitarbeiter oft mit digitalen Tools und agilen Arbeitsweisen vertraut sind, bringen erfahrene Fachkräfte fundiertes Wissen und strategisches Denken ein. Ein gemeinsamer Nenner aller Altersgruppen, so Roth, sei der Wunsch nach sinnstiftender Arbeit. Roth ist Gründer und CEO der Unternehmensberatung dcdx in New York. Die richtige Balance zwischen Unterstützung und Anspruch ist entscheidend für Unternehmen, die eine produktive und zufriedene multigenerationale Belegschaft etablieren wollen. Es der GenZ und bald auch der Gen Alpha leicht zu machen, ist wenig förderlich, denn es hilft nicht, Probleme zu lösen und dabei auch mit Rückschlägen umzugehen. „Arbeitgeber müssen die GenZ einladen und fordern“, rät der Experte aus New York und ergänzt „junge Menschen müssen herausgefordert werden, Probleme zu lösen und so die Lösung selbst zu entwickeln“. In der Session „Gen Z vs. the Gerontocracy: Reclaiming America's Future“ wies Roth darauf hin, dass Digital Natives - oder wie er sie aufgrund seiner Forschung nennt „Digital Captives“ - Gefahr laufen, durch den ständigen Einsatz von KI nur Ergebnisse zu erzielen, ohne zu verstehen, wie sie zu diesen Ergebnissen gekommen sind.
Teamwork
Bei der Entwicklung von Lösungsansätzen ist das Fach- und Erfahrungswissen der Älteren gefragt: „Zusammenarbeit ist keine Einbahnstraße“, erklärt Frank Leyhausen, Experte für Retention und Returnship, und weiter: „Jede Generation pflegt Vorurteile und Stereotype. Gerade für die ältere Generation ist es wichtig, den jüngeren Kolleginnen und Kollegen auf Augenhöhe zu begegnen und ihnen Resilienz bei der Lösungsfindung vorzuleben.“
KI und Generationen
Der zunehmende Einsatz von KI ist nicht automatisch ein Vorteil für die jüngeren Generationen. Erfolgreiche Fachkräfte müssen in der Lage sein, verschiedene KIs zu bewerten, zu optimieren und miteinander zu kombinieren, um Aufgaben effizient zu lösen. Für diese Tätigkeit ist neben Prompt Engineering Erfahrungswissen ein wesentlicher Erfolgsfaktor. „Unternehmen sind gut beraten, Erfahrungswissen im Unternehmen zu halten und das implizite Wissen von Menschen, die das Unternehmen in Richtung Ruhestand verlassen haben, zurückzugewinnen“, stellt Leyhausen fest. Und er ergänzt: „Gerade für Rentner: innen gibt es bisher kaum Rückholprozesse, obwohl die geburtenstarken Jahrgänge mit rund 1.000.000 Personen pro Jahr in den Ruhestand gehen. Ihr Erfahrungswissen geht damit für den Arbeitgeber verloren, vielleicht sogar an die Konkurrenz“.
