„Boomer-in-the-Loop“ statt Frühverrentung

Köln, 3. März 2026 Beim Thema „Künstliche Intelligenz“ stehen für viele Unternehmen vor allem Automatisierung und Effizienz im Fokus. Eine aktuelle Folge, die am Arbeitsmarkt zu beobachten ist, sind die steigenden Frühverrentungsprogramme. Was auf den ersten Blick rentenmathematisch attraktiv erscheint, wird bei der Implementierung von KI-Prozessen jedoch zum Hindernis. Denn mit den Mitarbeitenden geht auch das implizite Wissen der Baby-Boomer verloren.

In vielen Prozessen wird die menschliche Urteilskraft unterschätzt, um sicherzustellen, dass die Technologie die angestrebten Ziele erreicht und somit wirksam im Betrieb eingesetzt wird. Der Begriff „Human in the Loop“ hat sich etabliert. Er steht für die aktive Einbeziehung von Menschen in digitalisierte Prozesse, um die Leistung der KI zu verbessern, Fehler zu korrigieren und die Kontrolle zu behalten. Für diese Aufgaben ist insbesondere eine gute Urteilsfähigkeit nötig, um nicht nur Ergebnisse, sondern auch die zugrunde liegenden Annahmen und Probleme zu hinterfragen.

Boomer-in-the-Loop

Für die Besetzung eines „Human in the Loop“ sind Mitarbeitende mit jahrelanger Prozess-, Kunden- und Entscheidungserfahrung besonders geeignet. Ihr implizites Wissen lässt sich nicht einfach digitalisieren oder durch Algorithmen ersetzen. Gerade die impliziten Kenntnisse von Mitarbeitenden mit einer langen Betriebszugehörigkeit sind notwendig, um die Ergebnisse von KI-Prozessen zu bewerten und zu optimieren.

„Gerade ältere Beschäftigte erkennen Muster, Ausnahmen und Risiken, die in keinem Datensatz abgebildet sind. Sie sind die besten Korrektive für automatisierte Systeme“ , gibt Frank Leyhausen, Geschäftsführer von Ageforce1, zu bedenken und ergänzt: „Statt Menschen qua Lebensalter zu entlassen, müssen Unternehmen hinterfragen, welche Urteilskraft und Wissen in ihnen liegt und wie diese bei der Digitalisierung der Prozesse verwendet werden kann.“

Boomer - Partner der KI

Leyhausen beobachtet: „Viele Beschäftigte sind auch in den letzten Berufsjahren hoch motiviert, sich technologisch weiterzuentwickeln – wenn sie die Chance dazu bekommen. Das Bild vom digital überforderten Boomer ist ein Mythos. Mit der richtigen Ansprache können sie zu starken Treibern der Transformation werden, auch und gerade in altersgemischten Teams.“

Ein Paradigmenwechsel im Personalmanagement ist daher für Unternehmen von Vorteil: Sie sichern Know-how und stärken gleichzeitig ihre Resilienz gegenüber dem Fachkräftemangel. Statt „Raus aus dem Betrieb“ muss die Devise „Rein in den Loop“ lauten.

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